Süßnüsse & Zuckertannen

Literatur Der Südtiroler Dichter Oswald Egger legt, auf zwei Bücher und Verlage verteilt, ein mehr als 1800 Strophen umfassendes Megapoem vor - ein hermetisch-erotisches Hausbuch, das die Wurzeln der Dichtung freilegt und durch eine erträumte Natur streift.

Kultur | Klaus Kastberger | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

Das Poem zeichnet das Bild des einsamen Dichters. Er kauert auf seiner Bettstatt, sucht Schlaf und dreht sich dabei der "Herde der Rede" zu. Wörter kommen auf leisen Pfoten geschlichen oder fliegen wie verschreckte Vögel auf. "Seltzame Namen" finden sich zuhauf, meist in bukolische Szenen eingepasst: Kernstein und Erdschlipf, Lichtmilchblüten und Bandel-Bäume, Glimpf-Tau und Winterzwirn.

Nicht nur die Dinge, auch die Landschaften seien erfunden, erklärt Oswald Egger im Gespräch. Er selbst, 1963 in Südtirol geboren und seit einigen Jahren in Wien ansässig, sei eigentlich nie bewusst in die Natur hinausgegangen, durch den Wald zu streifen fiele ihm nicht ein. Er denke sich die Landschaft aus und erträume sie; vom Schlafen sei deshalb sehr viel die Rede und übrigens auch vom Beischlaf.

So bringt das lyrische Ich der Geliebten die erträumten Gaben dar: Süßnüsse und Zuckertannen; Krehl-Hacken, Scharr-Karrner und Schleppgatter; Taupelgarn, Riffel und Ritze; Hummelblumen, Liguster


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