Standpunkt: Prädikat: fad

Politik | aus FALTER 37/99 vom 15.09.1999

Sie leiden an Schlafstörungen? Kämpfen mit hohem Blutdruck? Sind von nervösen Zuckungen geknechtet? Weder Valium noch Bier noch ein Joint werden Ihnen zu jener bleiernen Lethargie verhelfen, wie es die Damen und Herren Prammer, Molterer oder Van der Bellen vermögen. Die Hohen Priester der Langeweile sind dieser Tage hauptsächlich auf ORF 2 um halb elf Uhr nachts anzutreffen. An diesem Sendeplatz veranstaltet der ORF seine Konfrontationen zur Nationalratswahl im Oktober. Prädikat: besonders fad. Hinter dem lähmenden Charakter der bisherigen Diskussionen steckt allerdings nicht nur Fantasielosigkeit der handelnden Personen, sondern auch Kalkül der Großparteien. Klima, Schüssel und Haider wollten sich Grünen und Liberalen nicht stellen und schickten nur die zweite Garnitur in die Arena. Das Kneifen ist verständlich: Die Titelverteidiger wissen, dass TV-Duelle eher Herausforderern Chancen bieten zu punkten. Schuld an dem ermüdenden Polit-Geplänkel ist deshalb auch der ORF. Der Monopolfunk wollte oder durfte nicht die Courage beweisen, ausschließlich Spitzenkandidaten oder Parteichefs einzuladen, sondern ließ es den Parteien offen, wen sie vor die Kameras schicken wollten. Trauriger als die Duelle sind da nur mehr die Einschaltquoten. G. J.


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