Der Sex des Minimo Lider

Essay Was den Bärentaler so unwiderstehlich und so unausstehlich macht. Mutmaßungen über Jörg Haider.

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 37/99 vom 15.09.1999

Das traumatische Element der österreichischen Politik und Öffentlichkeit, ihre nationalsozialistische Grundierung, ist bei Haider in besonders grober Form vorhanden. Wenn man ihn aber als Nazi diskreditiert, greift man um vieles zu kurz. Haider artikuliert das so genannte gesunde Volksempfinden. Aber er artikuliert eben auch das Unbehagen an der österreichischen Konkordanzdemokratie. Er artikuliert es mit einer politischen Leidenschaft, die sich mit den routinierten Gesten gelangweilter Quereinsteiger nicht vergleichen lässt. Sie nehmen die Macht als Last auf sich, während Haider Lust auf Macht hat. Sie spielen Rollen und stellen dar, Haider ist. Er ist im Volk. Er redet mit den Leuten. Ob aus Menschenliebe oder aus Machtinstinkt, egal. Politische Besessenheit treibt ihn dazu. Die Disco ist nicht nur zum Rekrutieren da, das Feuerwehrzelt nicht nur zum Agitieren. Haider saugt Emotionen und Beschwerden auf. Er spürt. Und er macht sich spürbar.

Haider sieht anders aus als andere Politiker.


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