Bedient: "Fucking Bastard"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 37/99 vom 15.09.1999

Sebastien Lambiotte war Manager bei der Europäischen Kommission und bewirbt sich in Österreich nun bei der OSZE. Er wohnt in einem Haus, bezahlt dafür monatlich 6200 Schilling. Seine Vermieterin betritt immer wieder die Wohnung. Es kommt zum Mietrechtsstreit. Die Vermieterin ruft die Polizei, damit sie den Franzosen rauswirft. Die Polizei erscheint, prüft den Mietvertrag und hält ihn für "wertlos". Die Vermieterin montiert inzwischen ohne gerichtliche Erlaubnis ein neues Schloss. Der Franzose will gehen. Polizist: "Sitzen bleiben, Sie sind verhaftet." Franzose: "Warum?" Polizist: "Ausländer." Die Polizisten durchsuchen ohne Durchsuchungsbefehl die Wohnung. Sie finden einen Reisepass und gehen wieder. Strafbares wird dem Franzosen nicht angelastet. Einen Tag später. Es klopft. Der Franzose macht nicht auf. Die Polizisten dringen mit einem Arbeiter und der Vermieterin durch die Fenster ein. Lambiotte bittet um die Dienstnummern: "Kusch!" Kein Hausdurchsuchungsbefehl, kein Räumungsbefehl. Die Vermieterin beginnt seine Sachen zu durchsuchen. "Ich blieb betont ruhig", erinnert sich der Franzose. Plötzlich beginnt der Arbeiter seine Sachen auf die Straße zu stellen. Lambiotte wird polizeilich durchsucht, gefunden wird nichts. Die Polizei verabschiedet sich mit "Fucking bastard, never come back!" In ihrem Bericht schrieben sie: "Es ging um einen Streit ums Mietrecht. Der Franzose verließ die Wohnung und gab die Schlüssel zurück. Die Beteiligten wurden an das Bezirksgericht verwiesen." Vielleicht sollte er nicht die Abteilung für Mietrecht aufsuchen, sondern die für Strafsachen.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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