Kampf dem Kapitalismus

Musiktheater Die viel geschmähte Operette: kitschig, rührselig und sentimental? Alles falsch. Im Gespräch mit dem "Falter" hielt der Literaturwissenschaftler Volker Klotz ein leidenschaftliches Plädoyer für eine ironische, aufrührerische und politisch hochaktuelle Gattung.

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 37/99 vom 15.09.1999

Wie ein Regisseur einen Bühnenbildner am besten beleidigen kann? Indem er ihm vorwirft, seine Arbeit sehe operettig aus: "Dann wird er rot und geht aufs Klo." Volker Klotz weiß ganz genau, welches Image "Fledermaus", "Lustige Witwe" und Co. haben, setzt jedoch dagegen: "Die Operette ist besser als ihr Ruf." Mit dieser Behauptung beginnt Klotz sein längst zum Standardwerk avanciertes Buch über die Operette1, um sie auf den folgenden 700 Seiten sowie in Vorträgen, Gesprächen und Vorlesungen ausführlich zu begründen; so auch im Rahmen des Operetten-Kongresses, den der neue Volksopern-Direktor Dominique Mentha - auf Anregung von Klotz - und die Europäische Musiktheater-Akademie Anfang September im Radiokulturhaus veranstaltet hatten.

Im Falter-Gespräch entpuppt sich Klotz bald als perfekter Missionar für die Sache von Jacques Offenbach, Franz Lehar und Kollegen. Nicht nur, weil er ohne Scheu an das schon immer genauso erfolgreiche wie verpönte Genre herangeht und dabei überraschende


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