Stadtrand: Aus- oder aufweichen

Stadtleben | aus FALTER 37/99 vom 15.09.1999

Wenn Pferde scheißen, dann fallen am Rosshintern kompakte, apfelgroße Kotkugeln herunter. Ist das Pferd zufällig bei einem Fiakerunternehmen beschäftigt, landen die Kotkugeln oft auf den Straßen der Inneren Stadt. Den Pferden Windeln anzuziehen wäre eine - zugegeben gemeine - Lösung. Aber frisch gefallenen Pferdeäpfeln könnte man als Radfahrer oder Fußgänger ohnehin prima ausweichen. Und wegkehren ließen sie sich bestimmt auch ganz einfach. Aber die Stadtreiniger kehren den Pferdekot im Ersten nicht weg. Sie ziehen es vor, ihn mit Wasser aufzuweichen und daraus die City-Suppe zuzubereiten. Diese duftet nicht nur herzhaft, sondern überflutet auch noch die Stadt - zumindest entlang der Fiaker-routen. Immerhin: Wenn die Sonne scheint, dauert es maximal eine Stunde, bis die Straßen wieder getrocknet sind. Die ehemals kompakte Pferdescheiße liegt dann als brauner Film über Asphalt und Pflaster verteilt. Haben sich wieder genügend Pferdeäpfel angesammelt, beginnt die Versumpfung der Innenstadt aufs Neue. Nur gut, dass die Stadtbenutzer an Schuhen und Kleidung (bei Radlern landen Spritzer auch im Gesicht) wenigstens etwas von der Brühe mit nach Hause nehmen. Irgendwie muss ja der Pferdemist wieder aus der City herauskommen. C. W.


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