Skandal im Sperrbezirk

Kommentar Der Boulevard fordert wieder einmal strengere Haftbedingungen für Gefängnisinsassen. Das wäre Feuer für den brodelnden Kochtopf und kontraproduktiv.

Vorwort | Andreas Zembaty | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Wieder einmal hat kleinformatiger Aufdeckungsjournalismus einen "Riesenskandal" geortet. Aus drei Strafvollzugsanstalten sollen mit handyunterstützter Kommunikation Straftaten gegen Richter bestellt worden sein; der Handel mit Handys und Suchtmitteln soll florieren. Maßnahmen, die der Boulevard vorschlägt, sind verstärkte Kontrolle, Verfahren gegen Justizwachebeamte und weniger Bewegungsfreiheit für Gefangene. Diese Forderungen sind aus der Sicht der Praxis ungeeignet, das Problem zu lösen. Sie erschöpfen sich - ähnlich wie die Forderung nach längeren Freiheitsstrafen - in einer Symptombekämpfung. Schlimmer noch: Diese populistischen Forderungen würden nicht nur nicht greifen, sondern das Klima in den Gefängnissen in unverantwortbarer Weise anheizen. Häftlinge ohne (Entlassungs-)Hoffnung tendieren zu Desperadoaktionen.

Die Gerichte, die noch immer nach dem Motto "Strafe als ein mit Tadel verbundenes Übel" bei der Strafzumessung vorgehen, sind oft nicht an der Effizienz der


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