Im Zeichen des Nilpferds

Wahlkampf Rote Brigaden und Döblinger Regimenter gehören der Vergangenheit an. Nirgends zeigt sich die Abkehr vom Zwei-Parteien-Staat so deutlich wie in Wien. Die Stadt schillert in allen Farben. Ein Streifzug durch die Hot-Spots des Wiener Wahlkampfes von Gerald John und Patrik Volf

Gerald John und Patrik Volf | Politik | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Affengebrüll von links, Nilpferdgeheul von rechts. In der Mitte steht Peter Westenthaler und spricht. In der Ferne röhrt ein Hirsch. Unter Westenthalers Rednerpult sitzen eine Dreierreihe Halbwüchsige, davor fünfhundert aufgeregte Zuhörer: "Ihr wartets alle auf die Verlosung - von dem blauen VW-Beetle und der Reise nach Disneyland -, aber vorher will ich euch noch was erzählen ..." Und Westenthaler erzählt - von Sparpaketen, Kriminalität und vor allem Kindesmissbrauch: "Es gibt keine Gnade mit den Schändern unserer Kinderseelen." Applaus. Dann wird verlost, der Gewinner beglückwünscht, abgelichtet. Alle gehen, die "message" ist angekommen. Familientag der FPÖ im Tiergarten Schönbrunn. Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. 10.000 Besucher begrüßt der Tiergarten Schönbrunn an einem normalen Wochenendtag. An diesem Sonntag sind es deutlich mehr. Am Tag davor war FPÖ-Seniorentag. Hauptgewinn: eine Woche Therme Geinberg.

Stimmenkauf zur Jahrtausendwende. Das Politainment

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