"Untersuchungen an Ostjuden"

Zeitgeschichte Vor sechzig Jahren wurden im Praterstadion mehr als tausend Wiener Juden wochenlang gefangen gehalten. Anthropologen vermaßen Hunderte von ihnen, ehe sie ins KZ Buchenwald deportiert wurden. Dort starben die meisten eines gewaltsamen Todes. Der "Falter" sprach mit zwei Überlebenden.

Politik | Klaus Taschwer | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Das Stadion prangt wieder einmal in reichem Flaggenschmuck; 35.000 Schaulustige erfüllen das Riesenoval, ein Bild, das an die großen Zeiten des Wiener Fußballsports gemahnt." Mit diesen Worten begann in der Montagsausgabe des Neuen Wiener Tagblatts ein euphorischer Bericht über das freundschaftliche Spiel der Wiener Stadtauswahl gegen jene von Budapest, das tags zuvor stattgefunden hatte. Durch drei Tore von Binder hatte die Heimmannschaft am Sonntag, dem 1. Oktober 1939, im Praterstadion gegen die hochfavorisierten Ungarn mit 3:1 gewonnen.

An jenem Montagmorgen, an dem die Wiener Zeitungen begeistert über das Match berichteten, kam in der deutschen Klassikerstadt Weimar ein langer Zug an, der knapp zwei Tage zuvor vom Westbahnhof weggefahren war. Seine Passagiere waren mehr als tausend Wiener Juden - einer von ihnen der damals 17-jährige Wilhelm Gugig. Sechzig Jahre später erinnert er sich im Falter-Interview an diesen Transport des Grauens: "Wir waren stehend in geschlossenen Viehwaggons


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