"Undichte Terrorfahnder"

Interview Rechtsanwalt Thomas Prader über seine Rolle in der RAF-Causa, undichte Stellen bei den Terrorfahndern der Polizei und unseriösen ORF-Journalismus.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Als der Wiener Rechtsanwalt Thomas Prader vergangene Woche in seinem Fernsehsessel saß und "ZiB 3" schaute, traute er seinen Ohren nicht. Ein "anonymer Informant" habe soeben bekannt gegeben, dass Prader die mutmaßlichen RAF-Terroristen Horst Ludwig Meyer und Andrea Martina Klump beherbergt hätte und in der Wohnung Sprengstoff gefunden worden sei. In Wahrheit hatte Prader nur den ahnungslosen Mitbewohner des mutmaßlichen Terroristenpärchens, den Jus-Studenten Siegfried D., rechtlich betreut. Doch Prader, der im Innenministerium als "wertvoller Informant" in der Causa RAF gilt und wertvolle Hinweise über die Wohnung der RAF-Leute geliefert hatte, wurde durch Indiskretionen angeschwärzt. Prader übt im Falter-Gespräch erstmals schwere Kritik an der ermittelnden Polizei und der journalistischen Sorgfalt des ORF.

Falter: Sie wurden vergangene Woche als Teil der Grün-RAF-Connection bezeichnet. Wie kam es dazu?

Prader: Durch das Ausstreuen von Gerüchten durch Polizei und Freiheitliche.

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