Bedient: Radlos

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Straßenbahnhaltestellentafeln sind die heiligen Kühe der Wiener Linien. Radfahrer, die ihre Drahtesel daranketten wollen, werden bestraft. Für die Einhaltung dieses Grundgesetzes sorgen die Männer des speziellen Radentfernungseinsatzkommandos der Wiener Verkehrsbetriebe. Heute widmen wir uns ihrer überaus nützlichen Arbeit: Frau Veronika R., eine Angestellte der ÖBB, will mit der U6 zur Donauinsel fahren. Sie stellt ihr Fahrrad vor der Station am Westbahnhof ab und kettet es an eine Haltestellentafel des "Neuner"-Wagens. "Rundherum war genug Platz, ich hab niemanden behindert", sagt sie. Nützt nichts. Verbrechen ist Verbrechen. Das mobile Sondereinsatzkommando rückt mit Gelblicht aus. Ausgerüstet mit einer Beißzange, einer Trennscheibe und einem Lastwagen. Es geht los. Die Arbeiter durchschneiden das Schloss des Rades und knallen den Drahtesel auf den Lastwagen. Dabei wird die Gabel verbogen, das macht aber nichts. Es gehört ja einem Halbkriminellen. Das Kommando fährt in ein Speziallager für beschlagnahmte Räder im fünfzehnten Bezirk. Dort wird das Rad verwahrt. Eine Verständigung wird am Tatort nicht hinterlassen. Veronika R. findet das Lager und ihr Rad dennoch. Bekommt es aber nicht gleich heraus: "Sie haben kan Ausweis! Sie kriegen des Radl net." R. holt den Ausweis und bekommt ihr kaputtes Rad zurück. Der Schaden beträgt 1500 Schilling. Sie will Schadenersatz. Antwort: "Gehn S', hearn S' auf, des war schon hin!" "Ich bin gespannt, ob die den Schaden ersetzen", sagt die Bundesbahnbeamtin. Ein Brief an Stadträtin Brigitte Ederer ist unterwegs. Wir bleiben dran.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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