Der Krieg im Bild

Buch Vor fünfzig Jahren legten die Staaten in den Genfer Konventionen fest, wie der gerechte Krieg zu führen wäre. Zwei Publikationen hinterfragen auf unterschiedliche Weise die Kategorien von Gut und Böse.

Medien | Patrik Volf | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Aggression? Intervention? Gerechter Krieg? Nie zuvor war es so wichtig, Legitimität für den eigenen Waffengang zu erheischen. Der Krieg der Gegenwart braucht Gut und Böse - säuberlich getrennt. Dass diese Kategorien mit der Realität, die Medien vermitteln, nur wenig zu tun haben, dazu müssen schon eigene Bücher geschrieben werden. Roy Gutman und David Rieff haben dazu mit "Crimes of War" ein ganzes Lexikon zusammengestellt. Mit dokumentarischer Nüchternheit hantelt sich das Buch von "Act of War" über "Concentration Camps" bis "Torture" und "Willfull Killing". Ein Daumenkino des 20. Jahrhunderts. In über hundert Einzelbeiträgen versuchen Journalisten, Kriegsberichterstatter und Wissenschaftler zu erläutern, was im Krieg erlaubt und nicht erlaubt ist. Beeindruckend ist dabei nicht ihr Erfolg, ein Kompendium des Rechts zu schreiben, sondern die indirekte Darstellung dessen, was Realität ist.

Die erste internationale Ausgabe der Zeitschrift Bastard, herausgegeben von Boris Buden - Falter-Lesern als Gastautor bekannt -, hat sich die Aufgabe gestellt, die mediale Realität des Kriegs am Balkan zu hinterfragen. Unkommentiert werden Befürworter und Gegner der NATO-Angriffe auf Jugoslawienaneinander gereiht, vermischt mit Augenzeugenberichten und Dokumentationen. Wohl die beste Collage im Zeitungsformat bisher, die nureines hinterlässt - den Zweifel.

Roy Gutman, David Rieff: Crimes of War. What the public should know. W. W. Norton & Company. http://www.crimesofwar.org.


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