Kommentar: Schauspielhaus: Was soll die Scheiße?

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Scheiße auf dem Autodach, so viel ist bekannt, wird bei 180 flach. Was aber passiert mit Scheiße, wenn man sie fein säuberlich in Einweckgläser abfüllt? Der Wiener Künstler Peter Wurm hat es ausprobiert. Ein Jahr lang hat er den morgendlichen Stuhlgang in Rex-Gläser verrichtet, ins Regal gestellt und die Ausgangsmaterialien notiert ("Zwei Big Mac", "Omabesuchshuhn"). Das durchaus vielfältige Ergebnis seiner Bemühungen heißt "ein jahr scheiße" und ist im Wiener Schauspielhaus zu besichtigen, wo unter dem Motto "Kunst ist Notdurft" derzeit nur am Rande Theater gespielt wird.

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Im Schauspielhaus ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Unter den väterlich-milden Blicken des müden Direktors Hans Gratzer hat die Hausjugend (namentlich die Dramaturgin Gini Müller und der Regisseur Gerald Singer) ein neues Konzept entwickelt, das anstelle von Stücken "Themenblöcke" vorsieht (in deren Rahmen dann schon auch Stücke gespielt werden, aber


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