Kritik

Alles so schön blau hier/Keine Macht für niemand!

Kultur | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Von einem persönlichen Zerwürfnis zwischen Klaus Bachler und Frank Castorf ist nichts bekannt. Wäre dem so, könnte man Castorfs Inszenierung der Calderon-Nachdichtung "Die Tochter der Luft" von Hans Magnus Enzensberger als heimtückischen Anschlag interpretieren. Die Eröffnung seiner Ära hatte sich der neue Direktor bestimmt anders vorgestellt. Doch der Reihe nach. Enzensbergers 1992 erschienener (und für das Burgtheater nochmals bearbeiteter) Text ist die komprimierte Fassung eines ursprünglich zwei Abende füllenden Barockdramas. Teil eins ist bei Enzensberger auf ein 25 Seiten langes "Vorspiel" gekürzt und erzählt von einer sagenhaften Frau namens Semiramis, die als unheimliche "Tochter der Luft" in einer Höhle gefangen gehalten wird. Ein Feldherr namens Menon befreit die wilde Schönheit aus ihrem Verlies und will sie zu seiner Frau machen; Semiramis aber entscheidet sich für die bessere Partie - den König.

Für dieses Vorspiel nimmt sich Castorf 80 Minuten lang Zeit. Auf


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