Aufgeblättert

Tobias Heyl | Kultur | aus FALTER 38/99 vom 22.09.1999

Das verwirrend vielfältige Îuvre des italienischen Historikers Carlo Ginzburg umfasst sozial- und mentalitätsgeschichtliche Bücher ebenso wie kunsthistorische Studien, Arbeiten zur Theorie der Geschichte und tagespolitische Stellungnahmen. Zu Ginzburgs sechzigstem Geburtstag präsentiert der Wagenbach Verlag unter dem Titel "Holzaugen" einen Aufsatzband, der ein überraschend klares intellektuelles Profil des Jubilars erkennen lässt. Alle Beiträge kreisen im weitesten Sinn um das Thema der Repräsentation, das sich für Ginzburg dreifach stellt: als semiotischer Effekt, der das künstlerische Abbild überhaupt erst möglich macht; als basaler Prozess aller hermeneutischen Arbeit; schließlich als Mechanismus des politischen Diskurses, der sich eben erst dann bemerkbar macht, wenn er nicht funktioniert, wenn sich also zum Beispiel der Papst ungewollt zweideutig über das Verhältnis zwischen Juden und Christen äußert. Ein anspruchsvoller Band, gerade weil er nicht programmatisch

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