Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

... wurden sie ertappt! Die Polizisten, die den Rasen im Burggarten zertrampelten.

Als die "Skandalsängerin und Punklady Nina Hagen" ihren im Samstagkonzert angekündigten Sonntagnachmittagsspaziergang im Burggarten absolvierte, gab es für die Polizei kein Halten mehr: Ungeachtet des behördlicherseits "empfindlich" genannten Rasens drängelten sich alle da drauf, um aus nächster Nähe Nina zu sehen. Circa 600 weitere Rasenbenützer wollten es diesen amtshandelnden Fans gleichtun, der Absolutheitsanspruch der Polizei verhinderte dies aber, und verhaftet wurden akkordmäßig mal wieder die, die am langsamsten laufen konnten. Verständlich, dass die Jugendlichen mit Rufen wie "Raus aus der Wiese" ihrer Sorge über Verletzungen des Rasens mit steuerbezahlten Dienststiefeln Luft machten.

Auch die Medien reagierten nicht den Erwartungen der Polizei entsprechend. Die ArbeiterZeitung sprach von "Schlagstöcken und nicht sehr feinen Festnahmen", "einer Energieverschwendung der Polizei und der Jugendlichen" und " ... die Inschrift ,Rasen betreten verboten' dürfte fast ein Monopol unserer ,Insel der Seligen' sein". Die Kronen Zeitung brachte das Foto des friedlich stehenden Jugendlichen, der gerade von einigen Polizisten gezerrt wird, mit dem Untertitel: "Packende Szenen im Burggarten: Die Polizei ging zum Angriff über" und berichtete von der Festnahme einer 45-jährigen Frau, die mit der Aktion nichts zu tun hatte, sowie tags darauf von der Aussage des Bezirksvorstehers Heinz, dass die "auf dem Rasen sitzenden Leute gegen ,Denkmal- und Naturschutz' verstoßen".

Trotzdem war das Wochenende für beide Seiten ertragreich: Die Boulevardpresse hatte endlich wieder Material, mit dem sie ihren actionhungrigen Lesern den faden Lokalseiten-Eintopf "Eifersuchtsdrama - Verkehrsunfall - Kanari gerettet" würzen konnte.


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