Der Spin-Doctor

Kommentar Woran krankt die Demokratie? Überlegungen zu einer politischen Figur.

Isolde Charim | Vorwort | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Aus aktuellem Anlass soll ein Blick auf jene Männer geworfen werden, die im Schatten stehen und geheime Wahlkampfmixturen mischen. Hinter diesem Bild des "Spin-Doctors" verbirgt sich ein neuer Typus, der, aus den USA kommend, über Großbritannien und Deutschland seinen Weg langsam auch nach Österreich findet. Gemäß der Bezeichnung besteht die Tätigkeit dieser politischen Berater darin, den Worten und Botschaften ihrer Auftraggeber den richtigen, also einen positiven Drall (= Spin) zu geben. In merkwürdigem Kontrast zu dieser technischen Beschreibung stehen die Assoziationen, die diese Fachmänner der Kommunikation erwecken: Man sieht in ihnen die Wiederkehr der Figur der "grauen Eminenz", die an schaurig-schöne Namen wie Rasputin und Macchiavelli gebunden ist.

Im Unterschied zu jenen sind Spin-Doctors nicht einfach herausragende Individuen, sondern Teil einer Industrie, der Wahlkampfindustrie. Ihre Aufgabe ist es nicht, einen schwachen Amtsinhaber zu lenken, sondern die Wähler zu

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