Bedient: Hochzeitsanzeige

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Was für eine Nacht! Hochzeitsnacht. Andreas und seine Braut fahren von ihrer Hochzeit nach Hause. Sie sitzt im weißen Brautkleid am Steuer, er sitzt im schwarzen Anzug daneben. Am Rücksitz schläft das Kind. Es ist halb drei Uhr und die schönste Nacht der Welt. Nicht für zwei Beamte. Sie fahren bei Groß-Enzersdorf Streife. Da tut sich sonst nicht viel. Endlich ein verdächtiges Objekt. Das geschmückte, nagelneue Hochzeitsauto wird mit Lichtsignalen zum Anhalten gebeten. "Ohswähsgondrole", sagt der eine Beamte. "Der Tonfall", schreibt Andreas, "ließ uns schon Böses ahnen. Der Mann täuschte sich nicht. "Homma wos trunkn", fragt der Beamte die Braut. Nein, homma net. Dürf ma net. Am Rücksitz liegt der Säugling, er wird noch gestillt. Die Beamtin überprüft die Kindersitzbefestigung. Ja. Vorschriftsmäßig. "Soo. Faahzöiggondrole!" Der Kofferraum wird geöffnet. "Bahnen-träh-eg und Veabandskasten." Jawohl. Der Kofferraum ist randvoll mit Geschenken, Blumen, Babysachen. Pannendreieck und Verbandskasten liegen ganz unten. "Ausräumen!", bittet der Beamte. "Muss das wirklich sein?" Ja. "Schauen Sie, das Auto ist nagelneu und in bestem Zustand, wir haben alles dabei und wollen ungern den gesamten ..." - "Ausräumen!" So geht es eine halbe Stunde. Das Baby weint. "Oiso Sie kennans net vuaweisn. Kriagn S' a Onzehge." Also gut. Der Bräutigam legt seinen Rock ab, beginnt die obersten Stücke abzuräumen. "Is scho zspät, Sie hoben verweigert, wir miassn eana ohnzagen." Die Polizisten steigen ins Auto und fahren wieder ab. "Wir standen fragend da", sagt der Bräutigam. Hoffentlich nicht zu lange.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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