Das Blaue vom Himmel

Film Claude Chabrols "Die Farbe der Lüge" will Ehedrama, Polizistenfilm, soziologische Studie und noch mehr sein. Das ist trotz großartiger Momente - zu viel des Guten.

Kultur | Christian Cargnelli | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Ein Mädchen zeichnet eine Landschaft. Ihm gegenüber ein Mann, er zeichnet das Mädchen. Es blickt in die Kamera, sieht uns, sieht den Mann an. Schnitt. Das Mädchen tritt aus dem Haus, wartet, während man das Meer rauschen hört, bis der Mann ihm nachfolgt, geht dann die Stiegen hinunter, aus dem Bild raus. Der Mann steht oben an der Treppe, in Untersicht aufgenommen, ein bisschen wie Norman Bates in Hitchcocks "Psycho". Die Kamera schwenkt langsam von ihm weg, in den blauen, leicht bewölkten Himmel, dann hinunter aufs blaue Meer. Symphonische Streicher- und Klavierklänge setzen ein, übertönen das Meeresrauschen, während die Titelcredits ablaufen. Vom Hellsten zum Finstersten: In der nächsten Einstellung herrscht tiefe Nacht.

So beginnt Claude Chabrols neuer Film "Die Farbe der Lüge" ("Au cÏur du mensonge"). Besser kann ein Anfang kaum geraten: einfach, aber spannend; vorausweisend, ohne zu viel zu verraten; zentrale Motive vorwegnehmend und in erstaunlicher Dichte bündelnd.

Das


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