Spielplan

Kultur | K.Cerny / W.Kralicek | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Einmal mehr muss an dieser Stelle mit Besorgnis gefragt werden: Volkstheater, quo vadis? Goethes humanistische "Iphigenie auf Tauris" in der Regie von Antje Lenkeit ist - spricht man es ebenso schonungslos aus, wie die Inszenierung selbst ihre Blößen zur Schau stellt - eine theatralische Bankrotterklärung. Man zeigt, was man alles nicht kann, und das flächendeckend. Schon das Stück sollte man als Herausforderung begreifen - oder besser die Finger davon lassen. Ein Großteil der Handlung passiert im Dialog (Achtung: Jamben!) und vollzieht sich im Inneren der Figuren (Achtung: Orests Wahnsinn!). Die praktisch unsichtbare Regie lässt das Ensemble kollektiv in die Pathos-Grube laufen (Achtung: hohl!). Das Bühnenbild ist potthässlich; die Kostüme sind so "zeitlos", dass höchstens Marius Müller-Westernhagen sie bei seinen Konzerten noch tragen würde; sogar die Beleuchtung ist lieblos und blass. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass Christoph Schlingensiefs Slogan auch für das Volkstheater


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