Kohlhaas auf dem Kopf

Literatur Der Ungar Laszlo Marton erzählt in seinem bis ins kleinste Detail durchkomponierten Debütroman die Geschichte eines unfreiwilligen Aufrührers.

Kultur | Klaus Kastberger | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Die Niederlausitz im Jahre 1603; in der Stadt Guben bereitet man sich auf einen alljährlichen Festakt vor. Die Schützenvereine der Stadt bewegen sich auf der zugefrorenen Neiße langsam in Richtung des Schlachtplatzes, wo die Mastochsen zusammengetrieben wurden. Mit Tannenzweigen und Holzperlen hat man die Tiere geschmückt, auf ihren Schultern sind winzige Seidenfähnchen angebracht, auf der Brust tragen sie einen mit Riemen befestigten Käfig, in dem ein exotischer Vogel hockt. Kleine, mit glühenden Kohlen gefüllte Blechschüsseln schützen die gefiederten Sänger vor der eisigen Kälte.

Laszlo Marton, gerade erst 40 Jahre alt geworden und eine der großen Hoffnungen der ungarischen Literatur, hat in seinem Debütroman an jedes Detail gedacht. "Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz" schnurrt ab wie ein kompliziertes, aber kompakt funktionierendes Uhrwerk; noch die kleinsten Räder an der Peripherie zeigen ihre Auswirkung im Zentrum, wo die Zeit in Sekunden gemessen wird und schlussendlich


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