"Schön am Boden bleiben"

Literatur In ihrem soeben erschienenen Roman "Nachwelt." schickt Marlene Streeruwitz ihre Heldin nach Los Angeles. Der "Falter" sprach mit Streeruwitz über die Hintergründe des Buches, über Alma Mahler und deren Tochter Anna, über den medialen Umgang mit Schriftstellerinnen, die Banalität des Lebens und über digitale Geschlechtskrankheiten.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Es gibt eine kleine, hübsche und sarkastische Episode in "Nachwelt.", Marlene Streeruwitz' mittlerweile drittem Roman. Die 39-jährige Protagonistin Margarethe recherchiert für eine Biografie über Anna Mahler, die Tochter von Alma und Gustav Mahler, die als Bildhauerin versucht hat, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten. Margarethe ist allein in Los Angeles, weil ihr Geliebter zu Hause geblieben ist und sich um die Stieftochter seiner Exgattin kümmert. Zwischen Liebeskummer, Sehnsucht nach der Tochter, Shopping-Ausflügen und anderen Annehmlichkeiten des Alleinseins, erinnert sie sich auch an ein vergangenes Verhältnis mit einem Wiener Dichter namens Diefenbacher, dem sie eine Schwangerschaft vorgelogen hat, worauf der vermeintliche Vater erst einmal verreiste: "Er hatte ihr nie geglaubt. Er hatte angenommen, sie hätte abgetrieben. War wütend. Böse. Er hatte einen Gedichtband für seinen Sohn geschrieben gehabt. Er war zurückgekommen nach vier Monaten und


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