Standpunkt: 2001 oder 2010?

Politik | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

Wien ist kein Raumschiff und die FPÖ mit dem durchgeknallten Bordcomputer HAL 2000 zu vergleichen, käme einer posthumen Entwürdigung von Stanley Kubrick gleich. Aber weil für die nächste Wahlschlacht um Wien ohne Zweifel "Odysee im Weltraum" herhalten wird müssen, sei es hier und jetzt getan. Und ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich nicht. Nehmen wir an, die ÖVP ließe sich in eine Regierung mit der FPÖ auf Bundesebene drängen. Was geschieht mit Wien? Könnte die SPÖ dann weiter mit den Schwarzen? Wohl kaum. Bis dato hatte die Variante rot-grün gesamtpolitisch eher den Geruch eines liederlichen Experimentes ohne Notwendigkeit. Die SPÖ konnte sich getrost auf Konsultationen verlegen. Die ÖVP hatte mehr zu bieten. Den unangenehmen Idealisten, die vielleicht doch etwas ändern würden wollen, brachte man bei den roten Stadtfürsten eher Skepsis entgegen. Doch was, wenn die Regierung im Bund über Nacht doch Schwarz-Blau wird? So rechts das Land im gesamten liegt, in den Städten liegt es links. Keine Wahl bisher hat das Gefälle so deutlich gemacht. Grün und liberal kamen in Wien gemeinsam auf mehr Stimmen als die ÖVP. Und Schwarz-Blau hat in der Hauptstadt keine Mehrheit. Wie wär's also, wenn wir 2010 auf 2001 vorziehen: "Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen." P. V.


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