Das Volk will nach rechts

Politik | Elfriede Jelinek | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

Ich finde das Wahlergebnis, obwohl erwartet, doch niederschmetternd. Wir haben jetzt die stärkste rechtsextreme Partei Europas. Obwohl Klima mit der Regierungsbildung beauftragt werden wird und obwohl die ÖVP ihren Stimmenanteil halten konnte, kann ich beim besten Willen nicht sehen, dass die bisherige große Koalition (jetzt wäre das ja beinahe schon keine mehr, denn wir haben ja drei annähernd gleich starke Parteien) dem Wählerwillen entsprechen würde. Die Wähler wollen den Wandel nach rechts, vor allem jene, die zuallererst dadurch unter die Räder kommen würden, die so genannten kleinen Leute, während die Papierbarone natürlich davon profitieren werden. Die Ursache? Lustlosigkeit bei der SPÖ, Hass auf den "Obrigkeitsstaat", historisch bedingt durch die österreichische Staatsideologie, den ständestaatlichen Klerikalfaschismus, den das Land nie abgelegt hat und der die Leute offenbar dazu bringt, es "denen da oben", dem Staat, der ja immer die Obrigkeit ist, niemals man selbst, bei jeder Gelegenheit heimzuzahlen (Denkzettelwahl, aber Denkzettel wofür? Das könnten die so genannten Protestwähler meist gar nicht beantworten), ein aggressiver Boulevard, der als Agent des so genannten gesunden Volksempfindens agiert, und eine zerstrittene Intelligenz, die sich in Paradoxien und Extravaganzen gefällt und als erstes Ziel die "Gutmenschen", die "politisch Korrekten" bekämpft anstatt des politischen Abenteurertums der Rechten.


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