Spielplan

Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

Die Idee, innerhalb kurzer Zeit mehrere Stücke terminlich verschachtelt zu spielen, ist in Wiens freier Opernszene zwar keine neue, aber an sich auch keine schlechte. Nun produzierte die Neue Oper Wien im Odeon zwei Opernabende - und stellte dieses Konzept damit gleich wieder in Frage. Nicht, weil zwischen Gerhard Schedls Horvath-Vertonung "Glaube Liebe Hoffnung" und den zusammengespannten Einaktern "Von Heute auf Morgen" von Arnold Schönberg und "Trouble in Tahiti" von Leonard Bernstein kein inhaltlicher Zusammenhang besteht. Sondern weil unter der Mehrbelastung die Qualität litt.

Es sei eine Schande, dass "Glaube Liebe Hoffnung" seit der Uraufführung 1993 nicht mehr gespielt wurde, posaunte Gruppenleiter und Dirigent Walter Kobera vor der Premiere. Aber weder ihm noch Regisseur Werner Heinrichmöller gelang es, diese nassforsche Behauptung mit der Aufführung zu untermauern. Schedls wohlgefällig dröhnende Musik lässt der für Horvaths sozialkritischen Klassiker dringend notwendigen Stille auch nicht ansatzweise Raum; dass alle Protagonisten während des ganzen Stücks in einem Planschbecken (Bühnenbild: Bernhard Kleber) umherwaten müssen, nimmt den Selbstmord Elisabeths (Charlotte Leitner) im Wasser zwar vorweg, verhindert aber eine schlüssige Darstellung der tragischen Gründe dafür. Schade um die sehr solide Leistung der Sänger.

Genauso schade wie um Steven Schescharegg und Priti Coles. Die beiden Sänger geben in "Von Heute auf Morgen" und "Trouble in Tahiti" zwei Ehepaare in der Krise - wobei vor allem der amerikanische Bariton wieder einmal sein schauspielerisches Können beweist. Doch wenn Schönberg moralisch und witzig sein will, sollte ihm die Inszenierung (Kornelia Repschläger) zumindest mit etwas Ironie dabei helfen. Noch hölzerner wirds dann im zweiten Teil des Abends: Um Bernsteins Parodie auf amerikanischen Spießermief den richtigen Biss zu geben, fehlt dem Amadeus-Ensemble vor allem eines: Swing.


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