Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

Kleine Mädchen aufgepasst, hier wird euch das Gehirn gewaschen, bis es blank liegt und nur noch ja sagen kann. Garry Marshall hat für "Runaway Bride" sein "Pretty Woman"-Dreamteam von 1990 endlich wiedervereint. Maggie Carpenter (Julia Roberts) wird durch eine erstaunliche Verkettung von Zufällen Gegenstand einer von Ike Graham (Richard Gere) verfassten Kolumne in USA Today. Themen sind "Maggie, the Maneater" und der Umstand, dass diese - Albtraum jedes Mannes - als Braut bereits dreimal direkt vorm Altar kehrtgemacht hat. Maggie wehrt sich, Ike fliegt raus. Ike fährt nach Maryland, um die ganze Story zu kriegen usw. Die andere Geschichte, die hier aber mit musterschülerhafter Ernsthaftigkeit erzählt wird, geht so: Zuerst wird Maggie nach allen Regeln der freundlichen Gemeinheit von Freund wie Feind krank geredet, dann lernen ihre Angehörigen und Nachbarn jedoch, dass man über Kranke keine Witze machen sollte - und schließlich schafft es der Held, Maggies Selbstheilungskräfte derart zu motivieren, dass sie erkennt, wer sie eigentlich ist und was sie eigentlich will und wie er das alles ganz toll schon vor ihr gewusst hat. Schlechte Laune und zeitweilige Übelkeit garantiert.

Kein Wunder: Hühnerdreck und Asche - aus dieser vergänglichen Mischung hat ein Gott einst den Menschen geschaffen. "Hühnerdreck und Asche - Ein Besuch im Paradies" heißt auch die Videodokumentation von Peter Freisz, Karl Prosslinger und Gabriele Tautscher, die das Leben in einem nepalesischen Bergdorf mit jenem in Wien konfrontiert. Zunächst kommen die Männer und Frauen des Dorfes zu Wort, in ruhiger Folge werden Arbeitsvorgänge gezeigt. Dann wird Wien vom Schamanen und vom Bürgermeister des Dorfes in Augenschein genommen. Was sie sehen - in Schönbrunn, im Kaufhaus und im Fitnessstudio, in der Pflegestation, im Schlachthof oder in der Kirche - und was es für sie bedeutet, fällt auf uns zurück.


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