Dramolett

Diebstahlsbekämpfung. Eine Verdrehung

Kultur | Antonio Fian | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

(TV-Studio. Eine Moderatorin, ihr zur Rechten der Rektor der Universität für angewandte Kunst, Rudolf Burger.)

Moderatorin: Herr Dr. Burger, Sie sind unlängst an die Öffentlichkeit gegangen, um klarzustellen, dass der Satz "Wenn ich Visionen habe, gehe ich zum Arzt" nicht, wie Robert Menasse mehrfach den Massen gegenüber behauptet hat, von Franz Vranitzky stammt, sondern dass Sie ihn gesagt haben, und zwar im Cafe Landtmann.

Burger: Das ist richtig. Vranitzky hat das ja auch zugegeben. Aber der Herr Menasse will das nicht zur Kenntnis nehmen.

Moderatorin: Warum erscheint es Ihnen notwendig, diese Burger: Absolut. Ich habe lange genug geschwiegen.

Moderatorin: Wann hatten Sie zum ersten Mal den Eindr- Burger: Ich kann mich erinnern, ich war noch ein Kind, es war im Freibad, vor mir ist eine Schulkollegin gestanden, die gute alte Ekphrasis, und ich habe gesagt: "Geh mir aus der Sonne." Und wenige Jahre später lese ich genau diesen Satz wieder, aber wem wird er zugeschrieben? Ich möchte den Namen jetzt gar nicht nennen, ich sage nur: Fass. Der Herr Menasse weiß schon, wen ich meine. Oder ein andermal, das war im Zug nach Hamburg, im Speisewagen, das Mittagsmenü war Bockwurst mit Grünkohl. Ich habe zu meinem Sitznachbarn gesagt: "Wenn es nur endlich mit diesem Kölchgestank vorbei wäre." Eine Woche später schlage ich das Neue Testament auf. "Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen." Ein feiner Herr, sage ich nur, der Herr Jesus.

Moderatorin: Bei allem Respekt, Herr Dr. Burger, finden Sie nicht, dass Sie mit Mücken auf Elefanten schießen?

Burger: Das ist auch von mir.

(Vorhang.)

(Material: Rudolf Burger, "Die Karriere eines Gerüchts", "Der Standard" vom 23.9.)


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