Im Zeichen der Schnecke

Literatur Jetzt hat ihn Günter Grass doch noch bekommen - den Nobelpreis für Literatur. Dass sich der deutsche Schriftsteller die Schnecke zum Wappentier erkoren hat, passt da eigentlich ganz gut. Eine Würdigung.

Jörg Magenau | Kultur | aus FALTER 40/99 vom 06.10.1999

Auf einmal sind die Deutschen alle stolz auf ihn. Was sollen sie auch noch sagen, wenn selbst Marcel Reich-Ranicki die Sache ganz in Ordnung findet? Unser Günter Grass, das alte Haus, dass er uns noch einmal so viel Ehre machen würde! Da hat man nun jahrelang an seinen Büchern herumgemäkelt und sie immer langweiliger gefunden. "Unkenrufe" - wie konnte das passieren? "Das weite Feld" - völlig unlesbar. Schon "Rättin" und "Butt": hölzerne Konstrukte. Da hat man seine politischen Invektiven zur deutschen Einheit oder zum Asylrecht als Altherrenverstocktheiten zurückgewiesen und seine Großintellektuellendarstellerei zunehmend enervierend empfunden. Und jetzt finden ihn alle ganz prima, Nobelpreis für Deutschland.

Für den Grass persönlich kommts ja vielleicht ein bisschen spät. Die "Blechtrommel", neben "Hundejahre" und "Katz und Maus" das Buch, für das ihm ewiger Ruhm gebührt, liegt ja immerhin schon 40 Jahre zurück. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Seit 1972, als Heinrich

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