Augen zu und durch?

Seinesgleichen geschieht Kann man tatsächlich die Wende wollen, ohne wirklich die Frage zu stellen: Wende wohin?

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 41/99 vom 13.10.1999

Wie würden Sie denn jetzt einen Kommentar schreiben, wenn Sie Ihre Meinung zur Regierungsbildung darlegen müssten? Letzten Sonntag wurde ich das gefragt. Die Frage brachte mich ins Schwitzen. "On second thought", wie W. C. Fields zu sagen pflegte, würde ich es beim Versuch, eine Antwort zu finden, nach kurzem Zögern doch noch einmal mit politischem Denken probieren. Die Kommentare vor und nach der Wahl schwappten ja - ebenso wie die Äußerungen der Politiker - von Gefühlen über. Auch die Wähler zeigten Gefühle. Es war eine gefühlsmäßige Wahl für die Wende, weil man die alte, langweilige große Koalition nicht mehr ertrug. Alles besser als bisher, lautete der Slogan, Augen zu und durch.

Offenbar ist es möglich, auch gescheite Menschen durch Langeweile derart hirnzulähmen, dass sie zwar nicht ihrer stilistischen Fähigkeiten verlustig gehen, aber über dem Bedürfnis eines Wechsels die Frage "Wechsel zu wem?" nicht mehr zu stellen vermögen. Nicht einmal die schlimmste geschlechtliche


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