Bock und Richter

Reportage Kurz vor den Wahlen werden bei einer Drogenrazzia alle Afrikaner eines Gesellenheimes in Favoriten verhaftet. Zwei Frauen haben sich mit den Farbigen Tag und Nacht beschäftigt. Die Hausmeisterin Erika Richter hat sie für die Polizei fotografiert, die Heimleiterin Ute Bock im Heim betreut.

Politik | Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 41/99 vom 13.10.1999

Da war diese Uhr. Diese sündteure Uhr. An einem schwarzen Handgelenk. Im 67er-Wagen. "Ich wusste, an dieser Uhr klebt Blut aus schmutzigen Geschäften", schaudert es Erika Richter, und sie beißt von einem Lebkuchen ein Stück ab. Erika Richter ist Hausbesorgerin einer "gutbürgerlichen Anlage" in der Favoritner Zohmanngasse gleich neben dem "städtischen Gesellenheim", einer Unterkunft für obdachlose Jugendliche.

Von ihrem Wohnzimmerfenster aus überschaut sie ihre kleine Welt, die sich hinter einer gepflegten Hecke auftut. Im Frühjahr, so erzählt die vierfache Mutter, seien hier im Grätzel die ersten Dealer aufgetaucht. Designeranzüge hätten sie getragen, und als Asylanten hätten sie sich ausgegeben. Manche vermutete sie im Gesellenheim.

Mit den Dealern kamen die Suchtkranken. "Wie die Graugänse dem Konrad Lorenz" sind sie den Farbigen hinterhergelaufen. Bluttupfer blieben im Stiegenhaus, gefährliches Spritzbesteck im Hof zurück. Frau Richter "ist grantig geworden". Nicht zuletzt,


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