Die Breite des Hintern

Koalition 1995 dauerten sie mehr als 80 Tage. Diesmal stehen zwei Wochen nach der Wahl noch nicht einmal die Teilnehmer fest. Ein Blick hinter die verschlossenen Türen der Koalitionsverhandlungen.

Politik | Gerald John und Patrik Volf | aus FALTER 41/99 vom 13.10.1999

Es waren wohl annähernd so viele Meter wie bei einem allwöchentlichen Hobbykick, die Wolfgang Schüssel in jener Nacht zurücklegte. Unzählige Male musste er sich von seinem Sessel im kleinen Sitzungssaal des Bundeskanzleramtes erheben und, ein Mäppchen unterm Arm, zwei Räume weiter zum Büro des Hausherren laufen. Dort überreichte er die mitgebrachten Papiere an eine Runde hoher Sozialdemokraten, die ihrerseits wieder einen Emissär zu den bürgerlichen Verhandlungspartnern ein paar Türen weiter schickten. Gegen halb vier Uhr morgens stieß Schüssel die Tür zum Kanzlerbüro zum letzten Mal auf: Nach wochenlangem Hickhack war die Neuauflage der großen Koalition, das Kabinett Vranitzky III, endlich besiegelt.

Dieses Jahr wird Wolfgang Schüssel, im Gegensatz zu 1994, als er noch Wirtschaftsminister war, nicht den fliegenden Boten spielen. Eine Regierung ohne die ÖVP mit Verhandlungsführer Schüssel wird es nicht geben. Das bedeutet eines: feilschen - mit wem auch immer. Das Ritual


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige