Asyl-Experte Goodwin-Gill

Geld gegen Asyl/"Schutz ist nicht obsolet"

Politik | aus FALTER 41/99 vom 13.10.1999

Der ehemalige Leiter des UNHCR-Rechtsbüros in Genf über das neue EU-Asylsystem.

Falter: Die europäischen Staaten machen sich auf einem Sondergipfel in Tampere daran, ein eigenes Asylsystem für die EU auszuarbeiten. Glauben Sie, dass damit die Genfer Flüchtlingskonvention überholt ist?

Goodwin-Gill: Nein. Sie braucht Ergänzungen, aber sie ist keineswegs überholt. Der Flüchtlingsstatus ist ein besonderer und bitter vonnöten. Auch die Grundidee, jemanden vor Verfolgung zu schützen, ist keineswegs obsolet.

Die Debatte in Europa geht in eine andere Richtung. Österreich forderte vor einem Jahr sogar definitiv den Übergang von einem rechtlich begründeten zu einem politisch begründeten Flüchtlingsstatus.

Das ist schlicht inakzeptabel. Ein Jahrtausend lang wurde für die Rechtsstaatlichkeit gekämpft, und jetzt wollen wir sie abschaffen. Das ist ein totalitäres Konzept.

Was würden Sie den Staats- und Regierungschefs dann raten?

Vorausgesetzt sie bekennen sich tatsächlich zu Asyl und


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