Liebe Leserin, lieber Leser!

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Sie schweigen nicht. Sie rufen vielmehr zu einer Demonstration auf. Erstmals seit dem Ausländervolksbegehren mobilisieren Intellektuelle, diesmal rufen sie unter dem Motto "Keine Koalition mit dem Rassimus" zu einer Kundgebung am 12. November in Wien auf. Nicht dass sie zuvor geschwiegen hätten oder bis zur Demonstration mit dem Reden warten. Doron Rabinovici erörtert in dieser Ausgabe, ob Jörg Haider Philosemit ist oder doch eher nicht. Und Elfriede Jelinek setzt sich mit dem Vorwurf des Schweigens selbst auseinander.

Ein Zitat hat sich nicht verschweigen lassen: Das Schweigen Haiders, was den Unterschied zwischen Hitler und Churchill betrifft. Dr. Haiders gesammeltes Schweigen war Teil eines Interviews gewesen, das wir nicht abdruckten, weil El Minimo es nicht autorisierte. Dennoch interessierten sich inländische Politiker und ausländische Medien für das von Nina Weißensteiner und Florian Klenk geführte Gespräch, und das Zitat machte seinen Weg durch die Weltpresse. Haider ist uns im Übrigen den Unterschied noch immer schuldig.

Dafür haben wir uns erlaubt, sein Schweigen zu brechen und eine Rede zusammenzustellen, die nichts Neues enthält und doch verblüfft (dies war nicht zuletzt möglich durch das Buch "Schlagwort Haider", die im Falter Verlag erschienene Zitatensammlung von Gudmund Tributsch).

Außerdem: Klaus Nüchtern trifft Tony Wegas, der ein Buch mit dem schönen Titel "Nüchtern betrachtet" geschrieben hat.

Zum Schluss ein Hinweis in letzter Sekunde: Klaus Taschwer, der treffliche Herausgeber der Wissenschaftsbeilage heureka!, die nicht nur bei der Falter-Leserschaft, sondern auch in Universitäts- und Wissenschaftkreisen einen hervorragenden Ruf genießt, moderiert am Mittwoch, den 20. Oktober, eine Diskussion mit Alan Sokal, dem Schrecken der Postmodernisten, dessen erstes deutsches Interview übrigens in heureka erschienen ist: Kleiner Festsaal der Uni Wien, 19 Uhr. Mit Sokal diskutieren Ulrike Felt, Mitchell Ash und Anton Zeilinger.


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