Bedient: Vertippt

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Eine feine Sache. Polizei und Justiz verwenden für ihre Fahndungsarbeit nun Computer. In die Amtsrechner werden Daten verdächtiger Menschen und solcher, die von der Justiz gesucht werden, eingespeichert. Verlässt so einer das Land, dann kann er von Grenzpolizisten per Mausklick identifiziert und hops genommen werden. Manchmal kommt es halt vor, dass ein Beamter versehentlich einen falschen Namen in den Computer tippt. Markus, unbescholten, fährt mit zwei Freundinnen im Zug nach Prag. Nach 20 Minuten Fahrt erscheint ein Gendarm: "Reisepässe!" Markus zückt seinen Pass. Der Beamte tippt etwas in den Computer. Erwischt! "Aufstehen! Hände auf den Rücken!" Markus tut wie befohlen und wird mitten im Abteil vor allen Passagieren am Rücken gefesselt und abgeführt. Der Grund der Festnahme wird nicht mitgeteilt. "Wir müssen auf eine Antwort aus Wien warten", sagt ein Beamter. "Warum eigentlich die Handschellen?", fragt Markus. "Eigensicherung", sagen die Beamten. In Hohenau muss Markus zusammen mit den Beamten den Zug verlassen. Am Bahnsteig wartet bereits ein Gendarmerie-Bus. Markus wird hineingesetzt und auf den Posten gefahren. Am Posten muss er sich splitternackt ausziehen (eine Routineangelegenheit für Polizeigefangene) und seinen Rucksack ausleeren. Danach wird er in eine Einzelzelle gesperrt. Dort sitzt er eine Viertelstunde. Es erscheint ein Gendarm, sperrt die Zellentüre auf: "Tschuldigen S', wir haben Ihna verwechselt." Durch einen kleinen Fehler im Computer sei irrtümlich ein Haftbefehl ausgestellt worden. Die zwei Gendarmen bringen Markus wieder zum Bahnhof. Feine Sache, diese Computer.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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