Streifenweise

Kultur | Drehli Robnik | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Zwei ist mehr als eins. Deshalb bedeutet der zweite Teil eines Erfolgsfilms nicht nur dessen Fortsetzung samt allfälliger Wendungen, sondern auch, dass es von etwas, das allgemeinen Zuspruch erfahren hat, mehr gibt: mehr Aliens, Terminators, Saurier. "Austin Powers: The Spy Who Shagged Me" (deutsch: "Spion in geheimer Missionarsstellung"), Teil zwei der James-Bond-Persiflage von 1997, bietet nahezu dasselbe bunte Package aus Typenkomik, Macho-Verarschung, Zoten, Miezen, Tanz und Retro-Styling wie Teil eins, nur eben von allem mehr: Mike Myers spielt neben dem von 1967 ins Heute versetzten, naturgeilen Helden und dem bösen Dr. Evil nun auch einen 300 Kilo schweren Schotten; Dr. Evils Mischpoche wurde um dessen zwergwüchsigen Klon erweitert; das Spiel mit zufällig ins Bild ragenden Gegenständen, die Austins Glied verdecken, läuft heuer gleich im Vorspann ab und dauert dafür länger; Burt Bacharach hat zu seinem diesmaligen Kurzauftritt Elvis Costello mitgebracht; es gibt mehr Songs, mehr Gadgets, mehr Klamotten, mehr Product-Placement.

Dass sich dabei die Fertigteilbauweise einer Nummernrevue vollends durchsetzt, ist nur konsequent: Die satirischen Vergleiche zwischen Sixties- und Nineties-Lifestyle aus Teil eins und dessen narrative Konturen weichen dem verschärften Diktat von Sketch, Running Gag und Kalauer. Desgleichen hat sich (und hier kokettiert das Mehr mit dem Zuviel) der Akzent von der stereotypiebewussten Genresatire Hausmarke Zucker-Brüder zu einem virtuosen Konzept-Infantilismus nach Art von "Dumm und Dümmer" verlagert. Sabbern, Furzen, in den After geschobene Objekte, eine mit Kaffee verwechselte Stuhlprobe: Man mag dies als herrlich unkorrekt bejubeln oder als Verfall jeglicher Komik bejammern - für das parodistische Kino ist es jedenfalls ein Schritt mehr weg von der besserwisserisch-ironischen Klischee-Denunziation hin zur Ritualistik eines endlos erweiterten Schulschikurses.


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