Aufgeblättert

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Mit Nick Hornbys Roman "Fever Pitch" sollte man das "Match-Tage-Buch" von Reinhold Aumaier eher nicht vergleichen. Aber "Rapid, Rapid ..." erhebt auch keine großen literarischen Ansprüche; der 46-jährige Autor spricht hier nicht als Schriftsteller, sondern als Rapid-Fans zu uns. Aumaiers akribische Aufzeichnungen setzen am 31. März 1998 ein, als Ernst Dokupil als Trainer abgesetzt wurde, und sie schließen am 3. Juni 1999, wenige Tage nach Ende der abgelaufenen Bundesligasaison, in der Rapid dann doch nicht Meister wurde. Aus der Fan-Perspektive ist hier mitzuverfolgen, wie Trainer Heribert Weber der Mannschaft und den Zuschauern zwar Teilerfolge gebracht, aber nach und nach auch die Lust am Fußball genommen hat. Vor allem aber gewährt das Buch einen authentischen Einblick in die Welt eines Fans, den seine Leidenschaft bis in den Traum verfolgt: "Irgendwann saß Peter Schöttel in Trainingsmontur auf meinem Bett und ich konnte mit ihm das ganze Match noch einmal durchgehen."

Zum 100. Geburtstag des SK Rapid ist neben dem erzählerisch angelegten Buch von Koban/Skocek/Weisgram und der akribischen Datensammlung von Roland Holzinger nun auch ein reichhaltig illustrierter Band erschienen, der das Rapid-Jahrhundert am Beispiel von "100 Stars in Grün-Weiß" Revue passieren lässt, von den Krone-Sportredakteuren Peter Linden und Peter Klöbl in chronologischer Folge zusammengestellt; der Reigen beginnt mit dem legendären Dionys Schönecker, der als "Sektionsleiter" von 1910 bis 1938 den Grundstein für die Legende legte, und endet mit dem tschechischen Goalie Ladislav Maier, einer der wenigen erfreulichen Erscheinungen in der aktuellen Mannschaft. Dazwischen ist von Uridil bis Happel, von Krankl bis Panenka, von Herzog bis Kühbauer alles drin, was in Hütteldorf Rang und Namen hatte.

Reinhold Aumaier: Rapid, Rapid ... Ein Match-Tage-Buch. Linz/Wien 1999 (Resistenz). 224 S., öS 198,Peter Linden / Peter Klöbl: Rapid - 100 Stars in Grün-Weiß. Wien 1999 (Pichler). 224 S., öS 298,-


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