Kleiner Mann ganz groß

Musik Er ist 74 Jahre alt und hat eine engelsgleiche Knabenstimme: Jimmy Scott, einer der ganz großen Gesangskünstler dieses Jahrhunderts, gastiert diese Woche in Wien.

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Diese Stimme spaltet die Geister: in solche, die reinen Herzens sind und noch weinen können, und solche, deren Herzen über die Jahre immer mehr versteinerten und sich trotz aller Bemühungen nicht mehr erweichen lassen. Es ist zu befürchten, dass die Hartherzigen längst in der Überzahl sind, denn anders wäre es kaum zu erklären, dass "Little" Jimmy Scott, der vor mehr als einem halben Jahrhundert erstmals auf der Bühne stand, immer noch vergleichsweise unbekannt ist.

Wer von dem heute 74-jährigen Crooner noch nie gehört hat und ihm zum ersten Mal lauscht, wird schwören, dass da eine Frau singt - eine Art Billie Holliday auf Valium. Doch es ist die Stimme eines Mannes: Aufgrund einer seltenen Erbkrankheit, dem Kallmann-Syndrom, stellte der Körper von Jimmy Scott noch vor der Pubertät sein Wachstum ein. Was unter anderem zur Folge hatte, dass bei dem - rein biologisch - nie zum Mann Gereiften der Stimmbruch ausblieb.

Es heisst, dass Jimmy Scott medizinische Hilfe hätte in Anspruch


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