Moment! Aufnahme! 5.10.99

Essay Warum es sinnlos geworden ist, gegen Haider anzuschreiben.

Kultur | Elfriede Jelinek | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Es wird mir soeben von einem Journalisten in der Süddeutschen, und dann von einem anderen, woanders, gesagt, ich und meine Kolleginnen und Kollegen, Künstler und Intellektuelle seien an diesem verheerenden Stimmenzuwachs der extremen Rechten in Österreich mit schuld, denn man habe von uns seit Jahren bereits nichts mehr gegen Haider gehört. Ich in meiner politischen Anteilslosigkeit oder soll ich sagen: Teilnahmslosigkeit (Robert Walser hätte gesagt: Unanteilnahme) habe geschrieben und geschrieben, andere haben das auch getan, mal besser, mal schlechter, manche haben ihre ganze literarische Produktionspalette umgestellt auf Haider Schwarz Anmalen, wie praktisch, die anderen Farben brauchen wir jetzt eh nicht mehr, die braucht alle das Fernsehn.

Es ist sinnlos geworden, dieses Anrennen, wie soll ich es erklären, ich glaube, es ist deshalb sinnlos, weil wir Sprechenden, und zwar genau deshalb, weil wir sprechen (na, die anderen sprechen ja auch, ununterbrochen, der Kandidat Prinzhorn


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