Sideorders: Das Brötchen

Stadtleben | aus FALTER 42/99 vom 20.10.1999

Erinnern Sie sich noch an die trockenen Baguettescheibchen mit den kegelförmig zusammengerollten Salamischeibchen, zusammengehalten von einem Zahnstocher, der ein Perlzwiebelchen durchbohrte? Undefinierbarer Eiaufstrich; schwarz gefärbter Seehasenrogen, umgeben von einem Kranz gelber Mayonnaise; signalroter Lachsersatz; Scheiblettenkäse mit paprikagefüllten Oliven; und überall rote Wurlis oder gefächerte Gurkerln oder beides zugleich? Die Blütezeit dieser disaströsen Brötchen ist zum Glück vorbei, seitdem Crostini, Bruschetta und Tramezzino unser Land aus der Umklammerung der happenmäßigen Grauslichkeit befreiten. Wiens beste Brötchen gibts hier: Zum Schwarzen Kameel, 1., Bognerg. 5, Tel. 533 89 67, Mo-Fr 8.30-20, Sa 8.30-15 Uhr.

Von der Location her schon einzigartig, von den Brötchen her erst recht, nur das Schicki-Micki-Publikum mindert die Freude ein wenig. Doch da muss man durch, will man die besten Beinschinkenbrötchen Wiens verkosten oder das unvergleichliche Rotkrautaufstrichbrötchen oder das oft kopierte, aber nie erreichte Matjesheringbrötchen.

Trzsniewski, Dorotheerg. 1, Tel. 512 32 91, Mo-Fr 8.30-19.30, Sa 9-17 Uhr.

Der Klassiker: Umstrittenes Design von radikaler Schlichtheit, schier unermessliche Auswahl an Schwarzbrotschnittchen mit diversen Eiaufstrichen. Krabbe mit Ei, Hummer oder schwedischer Hering sind eine Sünde wert, auf jeden Fall aber das lange Anstellen. Immer noch irrsinnig billig.

Opocensky, 4., Favoritenstr. 25, Tel. 505 08 52, Mo-Sa 7.30-19.30 Uhr.

Der Jüngste in der Riege der Brötchen-Ikonen: Nur auf Bestellung legt man hier edle Schinken, Würste, Käse fein dekoriert aufs Brötchen, sowohl in exklusiver als auch billigerer Variante zu haben.


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