Bedient: Abstumpfungsgefahr!

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

"Ich lese ihre Kolumnen gerne", schreibt Leser Stefan, "doch Vorsicht! Abstumpfungsgefahr!" Beim Lesen des Kasterls wisse man immer schon, wie es ausgeht. Irgendwie langweilig. Ja, leider. Und meistens geht es schlimm aus. Bei Issa zum Beispiel. Er studiert an der WU, kommt aus Afrika und erhält eine polizeiliche Analkontrolle, weil er auf der Straße geht. Langweilig? Issa geht am Gehsteig in Döbling. Vor ihm läuft ein Mann. Nach kurzer Zeit hört er Polizeisirenen. Der Mann, so stellte sich später heraus, ist ein gesuchter Einbrecher. Issa ist ein Schwarzer. Ein Schwarzer neben einem gesuchten Einbrecher ist ...? Erraten, schuldig. Ein Zeuge des Einbruchs bestätigt zwar, dass der afrikanische Student nichts mit dem Einbrecher zu tun hat. Das macht aber nichts. Issa wird auf den Boden geknallt und mit Handschellen gefesselt. Im Streifenwagen gehts aufs Kommissariat. Issa muss sich dort splitternackt ausziehen. Dann muss er sich nach vorne beugen: Rektaluntersuchung. Eine etwas ungewöhnliche Maßnahme bei verdächtigen Einbrechern. Es kommt zum Verhör. Fünf Stunden lang. Issa hat nichts mit dem Einbruch zu tun, studiert seit Jahren in Wien und ist unbescholten. Trotzdem wird er bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Anzeige wird zwei Tage später von der Justiz zurückgelegt. Issa schreibt an den Innenminister, an amnesty und an den Bundespräsidenten. Er sei nur kontrolliert worden, weil er schwarz ist. Zumindest Klestil hat schon reagiert: "Es wurde umgehend mit dem Kabinett des Innenministers Kontakt aufgenommen." Was Schlögl wohl antworten wird: "Ein Einzelfall." Ja, das stumpft ab.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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