Watschen am Salztor

Antisemitismus "Das österreichische Sumpertum hat wieder Auftrieb", sagt der jüdische Buchhändler. Seit der Nationalratswahl fühlt sich Wiens jüdische Gemeinschaft plötzlich an vergangene Zeiten erinnert.

Politik | Gerald John, Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Die maschingeschriebene Postkarte ist an "Ariel Muzicant, Staatsfeind von Österreich und ketzerischen Saujuden" adressiert. Ihr Absender wollte erst gar nicht anonym bleiben. Herr Kurt B. (Name der Red. bekannt) hatte Mut gefasst und seine Wut in eine Schreibmaschine gehämmert: "Herr Muzicant, Sie freche, jüdische Kreatur, Sie besitzen die Frechheit und beschimpfen und kritisieren die österreichische Regierung sowie auch die anständigen, aufrechten Österreicher als Nazi- und Kriegsverbrecher! Sie feige, hinterfotzige jüdische Memme!"

Solche Post, meint Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, "ist für uns nichts Ungewöhnliches". Entscheidender Nachsatz: "Wir bekommen aber seit den Wahlen zehnmal so viel davon." Vergangenen Freitag wagte der Präsident der Kultusgemeinde erstmals den Schritt an die Öffentlichkeit und präsentierte eine Auswahl jener Schmähbriefe, die Wiens jüdische Gemeinde seit einigen Wochen erhält: "Ich habe mich bis jetzt zurückgehalten


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