Glück ist ein geiler Moment

Theater Endlich ist der beste österreichische Theaterregisseur auch am besten österreichischen Theater engagiert: Martin Kusej inszeniert am Burgtheater "Weh dem, der lügt!" von Franz Grillparzer.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Über Nacht war es auf einmal angesagt, ins Grazer Schauspielhaus zu fahren. Man spielte "Der Traum ein Leben" von Franz Grillparzer, und es hatte sich herumgesprochen, dass der Regisseur ein Wahnsinniger ist. Die Aufführung begann dann auch damit, dass ein Schauspieler mit einer Axt auf einen Rinderschädel einschlug und das Blut nur so spritzte. Später stand auf der Bühne ein Aquarium, in dem ein toter Fisch trieb. Muss man dazu sagen, dass es die Inszenierung nicht heil überstanden hat?

Auf den ersten Blick war an diesem Abend ein neuer "Stückezertrümmerer" zu entdecken. Aber es war mehr als das. Die Ernsthaftigkeit, mit der dieser junge Regisseur an die Sache heranging, war beängstigend. Und die bedrohlichen Bilder, die er für Grillparzers Albtraumwelten erfand, hinterließen nicht nur bei jenem Schauspieler nachhaltigen Eindruck, der sich in einer Vorstellung mit der Axt den Daumen abschlug (der Mann spielte die Aufführung übrigens noch zu Ende und fuhr erst dann ins Krankenhaus,


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