Müllmann der Geschichte

Kabarett Der deutsche Kabarettist Matthias Deutschmann kommt mit einem Programm nach Wien, das mindestens so informativ ist wie eine Hugo-Portisch-Serie - und deutlich unterhaltsamer.

Kultur | Jochen Herdieckerhoff | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Sein Name sei ihm Auftrag und Verhängnis zugleich, lautet Matthias Deutschmanns stetes Bekenntnis, wenn er sich auf neuem Terrain vor Publikum wagt. In Wien macht die Pointe insofern Sinn, als der Auftrag an Deutschmann, zehn Abende lang ein österreichisches Kabarettlokal zu bespielen, durchaus zum Verhängnis werden kann - und zwar für alle Beteiligten. Ist Deutschmann in Form, können seine Abende zu Schlachten ausarten. Aus der Deckung des zwischen seinen Beinen ruhenden Cellos heraus malträtiert er das Publikum mit Pointen, bis es sich vor Lachen windet - bloß um im nächsten Moment mit einem Strich des Cellobogens wieder für atemlose Stille zu sorgen. Dann geht für Sekunden Walter Benjamins Engel der Geschichte durch den Raum: rückwärtsschauend und in die Zukunft fallend. Das Kabarett hebt ab - und für Augenblicke macht sich zwischen Bühne und Parkett ein Wahnsinn breit, der sich aus dem Fundus einer absurden Menschheitsgeschichte speist und doch mit beiden Beinen im trivialen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige