Unsichtbare Täter

Architektur Ein Seminar im Depot beschäftigt sich mit kriminologischen und soziologischen Aspekten von Architektur und Stadtplanung.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Was wäre gewesen, hätte Adolf Hitler nicht Albert Speer, sondern den Bauhaus-Architekten seine Aufmerksamkeit geschenkt? Das Walmdach wäre dann möglicherweise ein Denkmal antifaschistischer Architektur. Und Mies van der Rohe, von der Architekturgeschichte zum Bannerträger westlich-demokratischer Baukunst gemacht, stünde als Jahrhundertschurke da.

Emanzipatorische Architektur lässt sich nicht rein formal erklären. Und es ist auch nicht ungewöhnlich, dass mächtige Bauherren mit prominenten Baukünstlern unter einer Decke stecken. Hitlers Leibarchitekt wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, sein Stil gilt als Inbegriff des NS-Größenwahns. Heute gestaltet sich das Verhältnis der Architektur zur (politischen) Kriminalität freilich um einiges komplizierter. Die Aufträge mächtiger Kundschaft haben wenig zu tun mit repräsentativer Fassadengestaltung, sondern betreffen abstrakte Größen wie Sicherheit und Kontrolle. Die traditionellen Rezepte der Kunst- und Architekturgeschichte können


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