Aufgeblättert

Kultur | Gregor Patorski | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Past heißt der alte Mann, der im neuen Roman des bald 70-jährigen Hugo Loetscher die Hauptrolle spielt. Past, der seine Sachen packt, um ins Altersheim zu ziehen, blickt zufällig in "Die Augen des Mandarins", welcher vom Deckel eines Buches unverwandt zurückstarrt und bald darauf aus dem Bild steigt, Past ins Gespräch zieht. Past erinnert sich, vergegenwärtigt sich seine Vergangenheit, sein Leben. "Kann man mit blauen Augen sehen?" ist die Frage, die der Mandarin an ihn richet und die Pasts Lebensbilanz unablässig durchzieht. Der alte Mann im leergeräumten Zimmer träumt sich nochmals sein volles Leben herbei - Lateinamerika, Asien, Europa. Gil, Puy und andere Frauen. Am Ende des gewichtigen Buches stellt sich heraus, dass der Mandarin und Past so unverwandt nicht sind: Seelenverwandte beide. Leise und weise.

Leise ist das Werk von Gion Mathias Cavelty - auch er ein Schweizer - eher weniger, weise schon gar nicht. Das Ganze als höheren Blödsinn zu bezeichnen, wäre schon zu viel


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