Nüchtern betrachtet: Mein Inneres schreit nach Sellerie

Kultur | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Eben hatte ich noch einer vermutlich eher schönen Frau mit einer ebenso schönen Seele die Schönheit der Bossa-Nova-Arrangements zu vermitteln versucht, die Gary McFarland für Stan Getz geschrieben hat, da erwachte ich auch schon, und mein Inneres war ein einziger Schrei nach Stangensellerie. Menschen, die diesen Zustand nicht kennen, werden vermutlich annehmen, dass man seiner durch das Essen von Stangensellerie Herr zu werden vermag. Diese Auffassung ist ebenso nahe liegend wie falsch. Die Sehnsucht nach Stangensellerie umfasst eine ausgesprochen spirituelle Dimension und wird durch kruden Verzehr nicht annähernd gestillt. In Gesellschaft kann das ziemlich unangenehm werden. Stellen Sie sich vor: Sie sind auf einer Party (oder heißt das jetzt wieder "Fest(l)"? Irgendwann habe ich den Überblick verloren), fühlen sich, wie soll ich sagen, sexuell inspiriert, ach quatsch, sprechen wir es aus, Sie sind geil wie ein Schwarm Schollen, wild entschlossen, die nächstbeste Person abzuschleppen,

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