Stadtrand: Am Stadtrand

Stadtleben | aus FALTER 43/99 vom 27.10.1999

Es kommt vor. Selten, aber doch. Manchmal begibt sich auch der Innenstädter an den Rand der Stadt. Dann verlässt er die wohl geordnete Welt der Wiener Linien und besteigt halböffentliche Fremdfahrzeuge. Busse von "Dr. Richard" zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch die entlegensten Villengegenden souverän durchstreifen. Die Passagiere sind blasiert und auffallend schick gekleidet. Schulkinder tragen Ralph-Lauren-Jacken und Wein-&-Co-Sackerln (statt C&A und Billa), der Rest Pelz und Loden. Die Mitfahrer sind eine verschworene Gemeinschaft. Wahrscheinlich fährt man stets zur gleichen Zeit die gleiche Strecke miteinander. Chauffeur und Mitreisende werden begrüßt, Fremde im Bus angestarrt. Erst recht, wenn sie sich nach Haltestellen erkundigen. In "Dr.-Richard"-Bussen wird nämlich weder mit Fremden geredet, noch per Tonbandstimme der nächste Stopp angekündigt - es wissen eh alle, wo sie raus müssen. Wer versehentlich eine Station zu früh aussteigt, darf mörderweite Strecken zurücklegen. Und als Fußgänger fällt man hier erst recht auf wie ein Alien. Zu Fuß durch Beverly Hills zu spazieren kann nicht schlimmer sein. Zum Glück bringt "Dr. Richard" den Innenstädter auch wieder zurück zum nächsten Öffi. Zurück ins pralle Stadtleben. C. W.


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