Österreich in der Nacht

Essay Was das Wahlergebnis mit der Geschichte der Zweiten Republik zu tun hat und warum Haiders Erfolg keine Wende darstellt.

Politik | Robert Menasse | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Es scheint aussichtslos. Das Bild, das sich die Welt heute von Österreich macht, ist genauso verschroben wie das österreichische Weltbild selbst. Fast alles, was über Österreich nach der Wahl vom 3. Oktober geschrieben wurde, sowohl in der österreichischen wie auch in der internationalen Presse, ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist - so kann es keine Diskussion mehr über die reale Lage geben, sondern nur noch über die Gefühle, die den jeweiligen Kommentator angesichts der scheinbar gespenstischen Lage beschleichen.

Tenor der Berichterstattung ist, dass sich über Österreich wieder die langen Schatten der Geschichte gelegt haben, dass es also wieder finster wird wie in den finsteren Zeiten und dass in dieser Finsternis die Wiedergänger am Werk seien. Das ist falsch. Das Gegenteil aber auch. Das Wahlergebnis hat durchaus mit der österreichischen Geschichte zu tun - aber nicht unbedingt mit jener.

Das in den Berichten regelmäßig ausgewrungene Gefühl ist: Österreich


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