Bedient: Passable Passanten

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Westbahnhof. Feiertag. Trotzdem arbeitet ein kleingewachsener ägyptischer Kolporteur spätabends für ein paar Hunderter. Vor ihm liegen seine Zeitungen, Magazine und Pornohefte. Er plaudert kurz mit einer Frau, lässt die Hefte aus den Augen. Wiener, Bierbauch, betrunken, nähert sich dem Zeitungsstand und stiehlt ungeniert mehrere Pornohefte. Einige Passanten merken es. Einer informiert den Kolporteur. Der kleine Ägypter läuft dem großen Wiener (blättert schon aufgeregt in den Magazinen) nach, reißt ihm das Heft aus der Hand und - pitsch, patsch - verpasst ihm eine durch den Westbahnhof schallende Ohrfeige. Kopfnicken der Passanten.

Karlsplatz. Afrikanerin aus Frankreich bucht in einem Reisebüro einen Flug. Paradewiener, Bierbauch, betritt den Buchungsschalter: "Schleich dich, du Negerin, jetzt komm i dran!" Wiener stößt Afrikanerin zur Seite, lächelt den Reisebüroverkäufer an und will sein Ticket bestellen. "Was wüllst, Oida, ich glaub, du musst woanders buchen, schleich dich!", sagt der Reisebüroangestellte und haut den Wiener raus. Kopfnicken der Kunden.

Yppenplatz. Pensionisten: "De Tiarken! Nur ana hackelt und zoit Sozialversicherung, und 14 Kinda san glei mitvasichat. Uns kiazens de Pensionen. De Gschroppen hocken donn im Park und stenkan. Wir hom des aufbaut, und de setzen se ins gmochte Nest. De Weiba hocken daham und kennan ka Wurt Deitsch!" Passant bleibt stehen, dreht sich zu den Pensionisten und holt Luft: "Und im Spital wischen eich de Tschuschenweiba dann den Hintern aus!"

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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