Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Scheitern ist das moderne Tabu, sagt der amerikanische Soziologe Richard Sennett. Wie das bürgerliche Lebensmodell scheitern kann, wird am Volkstheater mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf ..." zelebriert. Das Erfolgsstück von Edward Albee zeigt ein Professorenpaar in der Midlife-Crisis. Birgit Doll und Wolfgang Hübsch spielen als Martha und George dort weiter, wo sie bei "Nora" (1991) aufgehört haben: Bei der ehelichen Verwüstung sind sie bestens aufeinander eingestimmt. Vielleicht ein bisschen zu gut. Brüche, etwa Marthas Alkoholsucht, gehen in der Inszenierung von Harald Clemen verloren. Wer Liz Taylor (1966 in der Verfilmung mit Richard Burton) gesehen hat, weiß, welche Verstörung eine trunkene Martha auslösen kann; hier geht der Ehekrieg allzu glatt über die Bühne. Erst im letzten Akt, als George die gemeinsame Lebenslüge platzen lässt, wird die Ausweglosigkeit spürbar. Empfehlenswert vor allem für Singles.

Wie Bohemiens am Theaterbetrieb scheitern, zeigt eine Uraufführung


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